Es riecht!

Vor allem im Wohngebiet östlich des Werks riecht es: Continental investiert in den kommenden sechs Jahren vier Millionen Euro in die Geruchsreduzierung am Standort Korbach. Foto: Lutz Benseler

Von Lutz Benseler

Korbach. Für Continental ist es der Duft des Erfolges: Wo Kautschuk für jährlich rund zehn Millionen Pkw-Reifen verarbeitet wird, riecht es naturgemäß auch nach Gummi. Gesundheitsschädlich sind die Gerüche nicht. `Aber sie belästigen`, sagte Jörg Zenke, Leiter des Gesundheits- und Umweltschutzes im Korbacher Reifenwerk. Vier Millionen Euro will der Konzern bis 2022 deshalb in eine neue Filter-Technik investieren. Sie soll die Gerüche neutralisieren, bevor sie in die Umwelt gelangen.

`Verbesserung für Anwohner`

Bereits in den vergangenen sechs Jahren hatte Continental rund eine Million Euro für ein neues Abluftsystem ausgegeben, um die Geruchsemissionen zu reduzieren. `Unsere nun anstehenden Baumaßnahmen sollen weitere Verbesserungen für die Anwohner ermöglichen`, erklärte Werksleiter Lothar Salokat gestern. Ziel ist, die Geruchsbelästigungen vor allem im Wohnbereich östlich des Werkes um mehr als die Hälfte zu reduzieren.

Dazu sollen neue Anlagen entstehen, in denen die Abluft aus verschiedenen Bereichen der Produktion über ein Rohrsystem zunächst zusammengefasst und danach durch einen Oxidationsprozess behandelt wird, dem so genannten nicht-thermischen Plasmaverfahren (siehe Hintergrund).

Die gesetzlichen Vorgaben sind klar: Zulässig sind in Wohn- und Mischgebieten zehn Prozent und in Gewerbe- und Industriegebieten 15 Prozent der Jahresstunden mit Geruch. Das regelt die Geruchsimmissions-Richtlinie (GIRL). Ein von Continental in Auftrag gegebenes Gutachten hatte 2009 ergeben, dass die statistischen Werte östlich des Werkes in Richtung Arolser Landstraße überschritten wurden.

Das Unternehmen ließ ein neues Abluftsystem installieren, das verschiedene Geruchsquellen aus dem Werk zusammenfasst und - noch ohne Filter - über acht hohe Kamine ableitet. `Rund 50 Tonnen Stahlrohre und diverse Lüfter wurden dafür auf den Werksdächern angebracht`, sagte Zenke. So seien die Geruchsemissionen in dem angrenzenden Wohngebiet deutlich verringert worden.

Ein Kontroll-Gutachten auf der Basis neuester Mess- und Berechnungsverfahren brachte anschließend laut Salokat die Überraschung: Die Emissionen waren danach höher als ursprünglich nach altem Modell berechnet - die Reduzierung reicht nicht aus, Continental muss nachlegen.

`Nicht völlig auszuschließen`

Die neue Technik soll nun eine weitere Verbesserung bringen. Allerdings gebe es keine hundertprozentige Lösung, schränkte Salokat ein. Die Herstellung von Reifen und technischen Schläuchen sei mit Gerüchen und Geräuschen verbunden, die man nach heutigem Stand nicht völlig ausschließen könne.

 Quelle: WLZ März 2016

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